Dobrindts Blockade
Von Arif Haidary
Dobrindt ignoriert das Leid der Geflüchteten. Er redet von Zahlen, wir reden von Menschen. Ein Kommentar von Arif Haidary über die Einschränkungen beim Zugang zu Integrationskursen.
Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten München, zusammen mit Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern. Wir hatten wenig gemeinsam, außer einer Sache: dem Wunsch, hier anzukommen. Wirklich anzukommen. Nicht nur physisch, sondern auch sprachlich, gesellschaftlich, menschlich. Deutsch zu lernen war für mich nicht einfach nur ein Kurs. Es war der erste Schritt in ein neues Leben. Heute, viele Jahre später, arbeite ich beim Bayerischen Flüchtlingsrat, bin stellvertretender Vorsitzender im Münchner Migrationsbeirat und am 8. März 2026 wurde ich in den Stadtrat für die Partei Die Linke gewählt. Ich begleite Menschen, die genau dort stehen, wo ich einmal stand und ich sehe mit großer Sorge, wie ihnen gerade genau das genommen wird, was mir damals geholfen hat: der Zugang zu Sprache. Die Kürzungen bei den Deutsch- und Integrationskursen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – politisch verantwortet unter anderem von Alexander Dobrindt und getragen von der aktuellen Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD – sind nicht einfach eine Verwaltungsentscheidung. Sie sind ein Einschnitt, ein Bruch und für viele Menschen ein Rückschritt in die Unsichtbarkeit. Sie sind Ausdruck einer Politik, die sehenden Auges Integration erschwert und soziale Spaltung in Kauf nimmt.
