Call

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Call for papers: Hinterland #53
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Schwerpunkt: ungleich
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Liebe Freund*innen, liebe Autor*innen,

das mit dieser Gerechtigkeit ist gar nicht so einfach. Ist es gerecht, dass Frauen für die gleiche Arbeit immer noch weniger Gehalt bekommen als ihre männlichen Kollegen? Ist es gerecht, dass syrische oder afghanische Geflüchtete nicht annähernd dieselbe Unterstützung erhalten wie Menschen, die aus der Ukraine fliehen? Ist es gerecht, dass der Mann in einer heterosexuellen Ehe automatisch als Kindsvater gilt, egal von wem das Kind nun wirklich ist, die nicht gebärende Frau in einer lesbischen Ehe aber nicht automatisch als Mutter? Ist es gerecht, Menschen ungleich zu behandeln?

Ist es gerecht, dass alle in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Deutschen im September 300 Euro Energiezuschuss vom Staat erhalten, egal ob sie Mindestlohn oder Millionenlohn verdienen? Ist es gerecht, dass die Medizin Forschung nahezu ausschließlich an männlichen Körpern betreibt und Frauenkörper genauso – im wahrsten Sinne des Wortes – behandelt wie Männer? Ist es gerecht, Menschen gleich zu behandeln?

Gleichheit im wirtschaftsliberalen Sinne bedeutet, dass alle Menschen das gleiche Recht haben, ihre Arbeitskraft zu Markte zu tragen. Von Adam Smith bis Christian Lindner denken sie, dass ja jede*r dieselben Chancen hätte, wenn sie nur hart genug arbeiteten. Dass aber Menschen eben ungleich sind, ungleiche intellektuelle oder körperliche Voraussetzungen haben, die sie nicht beeinflussen können, sieht der Liberalismus nicht. Noch weniger, dass Menschen mit ungleichen Startbedingen in diesen Wettbewerb gehen. Wer in Deutschland geboren ist, hat bessere Chancen als jemand, der in Angola geboren ist. Wer reich erbt, muss sich weniger Sorgen machen, kann sich bessere Schulbildung leisten als jemand aus Hartz-IV-Verhältnissen.

Gleichheit im kommunistischen Sinne ist eine andere, sie betrachtet den Menschen in seiner individuellen Ungleichheit. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“, ist ein essentieller Grundsatz kommunistischer wie anarcho-kommunistischer Theorie. Die ungleiche Behandlung schafft die Gleichheit der Chancen und der Lebensbedingungen.

So trivial es auch klingt: Gleichheit ist nicht automatisch etwas Gutes und Ungleichheit nicht automatisch schlecht – oder andersherum. Ungleichheit kann etwas Großartiges sein, steht sie für das Individuelle, das Besondere oder das Nicht-Identische. Doch Ungleichheit kann eben auch für Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass stehen, für Rassismus und Antisemitismus, für Sexismus, Homo- und Transphobie.

Wir von der Hinterland sind ungleich allen anderen. Und wir wollen wissen, was ihr zur Thematik „ungleich“ zu erzählen habt, zu Ausgrenzung und Diskriminierung, zu Individualität und Besonderheit, zu allem, was euch beim Wort „ungleich“ einfällt. Schickt uns interessante Interviews oder kritische Kommentare. Schreibt gewagte Glossen zur Gleichheit, träumerische Tiraden, eindrucksvolle Essays oder amüsante Anekdoten. Macht Bilderstrecken und Graphic Novels. Erzählt uns, wie ihr Ungleichheit erfahren habt.

Ungleich mehr freuen wir uns auf eure Texte, wenn ihr Fluchterfahrungen gemacht habt oder wenn ihr People of Color seid, wenn ihr behindert werdet oder wenn ihr aus der LGBTIQ*-Community kommt.

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Ideenabgabe: 9.10.2022
Redaktionsschluss: 13.11.2022
Ideen an: redaktion@hinterland-magazin.de

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Bis gleich,
Eure Hinterland-Redaktion