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Aktuelle Ausgabe | Archiv | AutorInnen | Bestellen | Nachrichten | Impressum | 26.05.2013
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INHALT NR. 22:

zitiert - kommentiert (PDF)
Von Hubert Heinhold
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Lost in Rieden (PDF)
Wie lebt es sich als Flüchtling aus Sierra Leone isoliert in der schwäbischen Provinz?
Von Agnes Andrae
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Wollmützerl und Mohnstrudel (PDF)
Ein Einblick in den österreichischen Abwehrkampf gegen die Wiener „Bettelmafia“
Von Ferdinand Koller
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„Wir wollen zu bestimmten Bereichen einfach mehr Zugang haben“ (PDF)
Tunay Önder über die Vernetzung der Migrantenvereine in Bayern
Interview von Matthias Weinzierl
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„… and we will rise up!“ (PDF)
Ein Bericht vom ersten „Refugee Struggle Congress“ in München
Von Nikolai Schreiter und Kersten Augustin
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„Die ganze Stadt ist Thema“ (PDF)
Michaela Melián über ihr virtuelles Denkmal „Memory Loops“
Interview von Till Schmidt
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Mörder, Nazis und „gemäßigte Radikale“ (PDF)
Die neofaschistische Szene in Deutschland zwischen Modernisierung und Zersplitterung
Von Friedrich C. Burschel
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A Country For Old Men (PDF)
Über Studentenverbindungen und Burschenschaften als Altherren-Netzwerke
Von Lucius Teidelbaum
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Hotzenplotz‘ Erben (PDF)
Die politische Wirkmacht der „Sudetendeutschen“ und das Phänomen der Ausblendung nationalsozialistischer Verstrickungen
Von Caspar Schmidt
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Maschine Kapitalismus(PDF)
Über den Zusammenhang von Science Fiction, globaler Marktordnung, Vernetzung und Ideologiekritik
Von Tom Reiss
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Verfassungsschutzwissenschaftsjournalismus (PDF)
Die karrierebewussten Einsatzgebiete wissenschaftlicher Expertise von Geheimdienst zu politischer Bildungsarbeit
Von Friedrich C. Burschel
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Macht Lärm! (PDF)
Mal Élevé von Irie Révoltés macht mobil gegen Homophobie und Sexismus innerhalb der Reggae- und Hip Hop-Szene
Interview von Florian Leckel
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Egzons Rückkehr (PDF)
Über die Odyssee Egzon Ibrahimis und seine Rückkehr nach München
Von Matthias Weinzierl
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Hauptsache köstlich! (PDF)
Von linken Verzichtsimperativen zu delanischem Radikalgenuss
Von Eugene McMitherforen
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„Nicht auf Radical Chic reduzieren“(PDF)
Philipp Dorestal über den politischen Gehalt schwarzer Stylings in den USA
Interview von Till Schmidt
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Generation Facebook (PDF)
Ein Sammelband nimmt das soziale Netzwerk Facebook kritisch unter die Lupe
Von Desirée Rossa
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Wieder über Guben reden (PDF)
Der Tod Farid Guendouls und die Folgen
Von Daniel Kröger
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DAS HEFT ALS (PDF)

Schwerpunkt: Gut vernetzt
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EDITORIAL:

Gut vernetzt starten wir in diese Hinterland Ausgabe. Mit bestem Beispiel voran gehen dabei die Schweinenasen auf unserem Titelblatt, eine Momentaufnahme der letztjährigen Bodensatz-Kaffeefahrt zur Schweinemast nach
Niederbayern –gute Spürnasen entdecken hier sogar das ein oder andere Redaktionsmitglied… Aber auch jenseits kollektiver Erlebnisreisen ist das Thema Vernetzung hochaktuell, denn ohne gute Netzwerke scheint heute nix mehr zu gehen. So machen uns zumindest jene Karrierestrategen glauben, die Networking als elementares Modul in das Programm persönlicher Selbstoptimierung aufgenommen haben und dadurch Beziehungsgeflechte auf eine professionelle Ebene heben. Aber eigentlich gab es Netzwerke doch schon immer, oder?
Und dies natürlich nicht nur im positiven, sondern auch im negativen Sinne. So werfen die Autorinnen und Autoren dieser Hinterland-Ausgabe nicht nur einen Blick auf die Formen und Möglichkeiten der Vernetzung von Flüchtlingen oder Migrationsgruppen. Auch die Schattenseiten des Netzwerkens werden in Zusammenhang mit den Altherrenbünden der Burschenschaf ten oder den politischen Verwobenheiten der Sudentendeutschen thematisiert. Und wie fühlt man sich eigentlich, wenn das Netzwerk gänzlich fehlt, weil man als Flüchtling aus Sierra Leone in ein schwäbisches Provinzlager gesetzt wird?
In diesem Sinne ist die Ausgabe wie immer vielfältig, auch wenn das Thema natürlich mehr hergibt. Zumindest gab es auch in der Redaktion wieder viel Anlass zu hitzigen Diskussionen: Wir sind uns immer noch nicht darüber einig, ob Facebook unser Leben nun bereichert oder eher die stressigen Auswüchse des Vernetzungsfetischismus markiert. Aber dazu ein anderes Mal.
Und nun: Viel Spaß beim Lesen!
Eure Hinterland-Redaktion


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Lost in Rieden

Als einziger afrikanischer Flüchtling strandet Barrie aus Sierra Leone in der schwäbischen Provinz. In Rieden führt er ein Leben in der Isolation.

Ich besteige in Kaufbeuren den Bus und fahre etwa eine halbe Stunde durch kleinere Ortschaften, über Wiesen und Felder. Es ist 9 Uhr morgens, und ich bin die einzige Person, die im Bus sitzt. An der Haltestelle „Rieden Ortsmitte“ muss ich aussteigen. Die Bezeichnung „Ortsmitte“ ist ein Euphemismus, denn die Ortsmitte unterscheidet sich auf keine Weise von den anderen Weggabelungen. Rieden, so heißt das winzige Dorf, das gerade mal 1333 Seelen zählt. Hier werde ich Barrie treffen.
Etwa zehn Minuten Fußweg liegen zwischen der Bushaltestelle und dem Flüchtlingslager, in dem Barrie wohnt. Ihn will ich heute besuchen und mir ein Bild davon machen, wie sein Leben in Rieden aussieht. Mehrmals am Telefon hat er mich darum gebeten. „You need yourself to come and see the place by your own eyes. I'm the only black guy here“, sagte er und betont immer wieder, wie einsam er hier ist. Auf dem Weg zum Lager begegne ich keinem einzigen Menschen.
Barrie und ich haben uns über eine Mitarbeiterin vom Münchener Infobus kennengelernt. Er war dort in Beratung und als er nach Rieden umziehen musste, übernahm ich für den Bayerischen Flüchtlingsrat seine weitere Betreuung, hauptsächlich telefonisch. Zum ersten Mal getroffen habe ich Barrie in einem Münchener Krankenhaus. Ich besuchte ihn dort nach einer seiner zahlreichen Operationen besuchte.
Im Flüchtlingslager angekommen, suche ich Barries Zimmer. Das Lager besteht aus einem größeren Wohnhaus, in dem früher wahrscheinlich einige Mietparteien wohnten. Heute leben hier 30 bis 50, hauptsächlich aus Afghanistan und dem Iran stammende Flüchtlinge. Als ich ankomme, werkeln allerlei Bauarbeiter, wie ich später erfahre, um einen Wasserschaden zu reparieren. Ich frage einen der Hausbewohner, der mir auf dem Gang begegnet, wo ich Barrie finden kann. Er führt mich in den Keller. Ich folge ihm etwas verwirrt, aber tatsächlich, dort befindet sich sein Zimmer.

von Agnes Andrae
(das ganze Interview im PDF Format)
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A Country For Old Men

Studentenverbindungen und Burschenschaften als Netzwerke „Alter Herren“

Bis heute rekrutiert sich ein beträchtlicher Teil der traditionellen Männereliten in der Bundesrepublik aus Studentenverbindungen. Was aber zeichnet diese Netzwerke konservativer Männer oder „old boy networks“ aus und weshalb verlieren sie gegenwärtig an Einfluss?

Neben ihrer stark konservativen und bis ins extrem rechte Spektrum reichenden politischen Ausrichtung wird an Studentenverbindungen auch der elitäre Anspruch und das stark männerbündische Element kritisiert. 95 Prozent der Verbindungen verwehren Frauen den Zutritt und sind somit männliche Solidargemeinschaften und Seilschaften. Die wenigen gemischt-geschlechtlichen Verbindungen und die noch geringere Anzahl an reinen Frauenverbindungen („Damenverbindungen“) sind eher zu vernachlässigen, werden aber von den reinen Männerbünden gerne als Entlastungszeuginnen ins Feld geführt.
Von Lucius Teidelbaum.
(der ganze Artikel im PDF Format)

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Maschine Kapitalismus

Über den Zusammenhang von Science Fiction, globaler Marktordnung, Vernetzung und Ideologiekritik.

Das folgende Szenario aus der Science Fiction ist wohlbekannt, nicht nur den Nerds unter uns: eine Gruppe von Menschen (üblicherweise reiche Sonderlinge/gierige Wirtschaftsbosse/unethische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen) hält es für eine prima Idee, komplett autonome und lernfähige Maschinen zu konstruieren. Die Motivation ist mal Bequemlichkeit, mal Gier, mal wissenschaftliche Hybris; das Ergebnis ist jedes Mal eine vom Untergang bedrohte Menschheit und eine despotische Maschinenmacht, die diese Restmenschheit entweder zu vernichten trachtet („The Terminator“), sie unterdrückt („Battlestar Galactica“) oder für ihre eigenen Zwecke missbraucht („The Matrix“). Mr. Smith-Agenten, Skynet und die Cylons
Schlimm genug, möchte man meinen. Aber während die Maschinen und künstlichen Intelligenzen in diesen Szenarien oft genug gefährlich und furchteinflößend ob ihrer überlegenen Kraft, Zahl oder Denkfähigkeiten sind, ist es doch ein anderer Grund, der den Topos der Maschinenherrschaft so beliebt und so symptomatisch für moderne Urängste macht: Im Gegensatz zu den Menschen sind die Maschinen vollkommen vernetzt. Sie kommunizieren ohne Verzögerung, sie haben einen gemeinsamen Plan, den sie gemeinsam ausführen, sie sind perfekt organisiert und in ihrem Vernetztsein für alle Zwecke und Absichten omnipräsent und allwissend. Die „Mr. Smith“-Agenten beherrschen die Matrix, „Skynet“ regiert von der Zukunft aus das Schicksal der Menschheit, und die „Cylons“ tilgen beinahe alle Menschen aus dem Universum.
Die Vernetzung ist es, welche die dystopischen Maschinen grundlegend anders, mithin unheimlich macht. Sie ist es auch, die in der Vergangenheit der linken Literaturwissenschaft und -kritik wieder und wieder Stoff für Analogien zum globalen Kapitalismus gegeben hat. Wie die Maschinennetzwerke ist dieser imperialistisch, inkompatibel mit alternativen Gesellschaftsentwürfen, parasitär, geprägt von kalter Gewissenlosigkeit und: vom Menschen selbst gemacht. Ursprünglich von der kurzsichtigen Menschheit als Werkzeug und Mittel zum Zweck entwickelt, entwickeln die Maschinen – ebenso wie globale Finanzmärkte – ein unheimliches Eigenleben und wenden sich gegen ihre Schöpfer.
Von Tom Reiss
(der ganze Artikel im PDF Format)

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