„Trotz Handicap und Kriegserlebnissen ist ein gutes Leben möglich“

Von Marwa Almbaed

2015 verlor die damals 24-jährige Marwa Almbaed aus Syrien durch einen Bombenangriff so gut wie alles, was ihrem Leben Sinn gab, ihr etwas bedeutete. Seit dem Angriff ist sie querschnittsgelähmt. Marwa Almbaed sprach mit Christine Wolfrum über ihr schwieriges Leben danach: Wie sie darum kämpfte wieder zu sich zu finden und aktiv zu werden und wer sie dabei unterstützte. Sie berichtet aber auch, wie sie sich heute stärker denn je für Peacebuilding engagiert, denn Rache und Hass sind keine Lösung.

Kurz vor Marwa Almbaeds Rückreise nach Heidelberg – sie hatte mit Schülerinnen und Schülern über das Leben mit Behinderung und zu Piecebuilding diskutiert – trafen wir uns an einem heißen Sommernachmitttag im Juli in der Bar eines Hotels gleich neben dem Münchner Hauptbahnhof, um ihr Extrawege zu ersparen. Aktuelle Baumaßnahmen im Hauptbahnhof verhinderten, dass sie pünktlich war. Umständlich musste sie sich in ihrem Rollstuhl bis zum Hotel auf Behelfswegen durchschlängeln. Angekommen kam sie aber gleich zur Sache:

„Wenn Bomben und Granaten in Wohngebieten einschlagen, treffen sie fast immer Zivilisten und Zivilistinnen wie mich. Da entscheiden Militärs, auf einen
Punkt zu zielen, ein wichtiges Gebäude, ein Krankenhaus, ein Wohnhaus, um einen bestimmten Menschen, eine bestimmte Gruppe zu töten. Dabei vergessen sie, dass es tausende Menschen gibt, die auch dort wohnen, leben und die sie gleichfalls auslöschen oder für immer verletzen. Ich war im Auto mit meinem Vater, meiner Mutter und meiner Schwester Raneem in Damaskus unterwegs, als uns die Bombe 2015 traf. Ich war 24 Jahre alt und es passierte zwei Wochen, bevor mein Bruder Ahmad mit mir Syrien verlassen wollte. Wir hatten bereits alles organisiert.

(der ganze Artikel im PDF Format)