Call

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Call for papers: Hinterland #51
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Schwerpunkt: geschlossene gesellschaft
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Liebe Freund*innen, liebe Autor*innen,

geschlossene Gesellschaft. Du kommst hier nicht rein. Die falschen Schuhe, der falsche Name, das falsche Gesicht. Nicht auf der Gästeliste. Wieder ans Ende der Schlange, nochmal versuchen. Dabei hast du doch alles richtig gemacht, denkst du…

Der rassistische Türsteher der Europäischen Union heißt Frontex. Oder Griechische Küstenwache. Oder Polnische Polizei. Und er schickt die Menschen nicht einfach nur ans Ende der Schlange zurück. Er drängt sie in die Türkei oder nach Libyen zurück, er lässt sie im Mittelmeer und in der Nordsee ertrinken, er lässt sie an der belarussisch-polnischen Grenze erfrieren. Er nennt das Grenzsicherung, wir nennen das Unrecht. Der Türsteher drückt kein Auge zu, er lässt niemanden in die Festung Europa hinein.

Haben die illegalen Pushbacks der griechischen Küstenwachen bis Anfang des Jahres noch für Empörung gesorgt, so hören wir nun nur noch lautes mediales und zivilgesellschaftliches Schweigen. Bis auf wenige Ausnahmen ist das Vorgehen der polnischen Regierung gegen die Geflüchteten an der Grenze zu Belarus kaum ein Thema. Dass hier eine rechtsnationalistische Regierung das Recht auf Asyl aushebelt, stört in der EU kaum jemanden. Würden die EU-Mitgliedsstaaten schutzsuchende Menschen einfach aufnehmen, anstatt die rechte Propaganda gegen Geflüchtete zur alltäglichen politischen Praxis zu machen, hätte Putins Mini-Me Lukaschenko auch kein Druckmittel.

Und auch der Koalitionsvertrag der neuen Ampelkoalition verspricht für das deutsche Aufenthaltsgesetz nur kosmetische Änderungen. Ins Land darf am Ende auch nur, wer nützlich ist – da sind die Grünen nicht minder Vertreterin der Kapitalfraktion als die FDP. Der Biomarkt regelt das schon. Genauso wie die Anhebung des Mindestlohnes nicht für Menschen mit Behinderung gilt, die weiterhin in Werkstätten für einen Euro fünfzig pro Stunde ausgebeutet werden.

Nicht nur die EU im Speziellen, der Kapitalismus im Allgemeinen ist eine geschlossene Gesellschaft. Die gläsernen Decken mögen unsichtbar sein, doch sind sie real – für Menschen mit Migrationsgeschichte, für Frauen, für LGBTIQ*s, für Kinder von prekär Beschäftigten. Dass Erfolg etwas mit der eigenen Leistung zu habe, ist das kapitalistische Märchen, mit dem den Armen ihre Armut noch als eigene Schuld verkauft werden soll. Und wer mit der richtigen Herkunft und dem richtigen Erbe ausgestattet ist, will es natürlich nicht wahrhaben, dass der Erfolg nicht der eigene ist, und glaubt und reproduziert dieses Märchen nur allzu gerne.

Wir von der Hinterland aber setzen uns für eine offene Gesellschaft ein. Wir wollen offenen Türen. Und wir wollen wissen, was ihr zu geschlossenen Gesellschaften zu erzählen habt, zu Abschottung, Ausgrenzung oder der Festung Europa. Schickt uns Fragen an Frontex, interessante Interviews oder kritische Kommentare zum Kapitalismus. Schreibt gewagte Glossen zur geschlossenen Gesellschaft, träumerische Tiraden, eindrucksvolle Essays oder amüsante Anekdoten. Macht Bilderstrecken und Graphic Novels.

Ganz besonders freuen wir uns auf eure Texte, wenn ihr Fluchterfahrungen gemacht habt oder wenn ihr People of Color seid, wenn ihr behindert werdet oder wenn ihr aus der LGBTIQ*-Community kommt.

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Ideenabgabe: 16. Januar 2022
Redaktionsschluss: 6. März 2022
Ideen an: redaktion@hinterland-magazin.de

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Bis dahin: Hört nicht auf, die Türen der geschlossenen Gesellschaften einzutreten!
Eure Partybreaker von der
Hinterland-Redaktion